Vom herrenlosen Bauwagen zum Zeltplatz Affalterthal

Die Pfadfindersippe war sich einig. Nächstes Wochenende geht es auf Sippenfahrt. Wohin? Na ja, irgendwo mit dem Fahrrad in die Botanik, Richtung Großhabersdorf, an die Kaiserquelle oder vielleicht doch in die Fränkische Schweiz? Kein Problem in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als auch ich noch Sippling im Stamm Franken war. Die Kohte wurde am Waldrand oder einer Lichtung aufgeschlagen, bald brannte darinnen ein gemütliches Feuer, am Abend wurde Fleisch am Holzspiess gebrutzelt, bei obligatorischem Tschai und die halbe Nacht erzählt und durchgesungen.

Belächelte Nostalgie von vorgestern, oder? Und wie sieht es heute aus?  Wir alle wissen, dass diese Spontanität heute nicht mehr in dieser Form möglich ist.

Wir schreiben das Jahr 1988. Der Sippling aus den 60 ern wohnt mittlerweile in Egloffstein, mitten in der Fränkischen Schweiz. Ein alter, anscheinend herrenloser Bauwagen, Jahrgang 1930, mit Holzspeichenrädern, in der Nähe des Wohnortes, erweckte die Aufmerksamkeit. Der Zustand war noch brauchbar. Wäre dieser alte Holzbauwagen nicht was für die Fürther Pfadfinder und dann vielleicht noch ein eigenes Grundstück dazu? Kurz gesagt. Unser Freundes- und Förderkreis Christl. Pfadfinder u. Pfadfinderinnen kaufte den Wagen von einer insolventen Baufirma. Und jetzt begann die Suche nach einem geeignetem Grundstück.

Fündig wurden wir, nach langer Suche, im Frühjahr 1989. Auf der Hochebene von Affalterthal bei Egloffstein befand sich eine langgestreckte, knapp 3000 m2 große Wiese, schon seit Jahren nicht mehr genutzt. Eingerahmt von Hecken, direkt am Wald mit reichlich Holz in den umliegenden Wäldern und frischem Quellwasser, ca. 250 m auf steilem Pfad ins Tal hinab entfernt. Und wieder war das Glück auf unserer Seite. Der Besitzer des Grundstückes hatte für uns Pfadfinder etwas übrig. Er erzählte begeistert aus der Zeit seiner Jugend, als ganz in der Nähe immer wieder Pfadfinder aus Fürth und Kitzingen Lager abhielten und er den ganzen Tag mit diesen im Zeltlager verbringen durfte. Juli 1989 schleppten wir mit einem Traktor den alten Bauwagen (einVeteran, mit über 80 Jahren fast so alt wie der Stamm Franken) unter Hoffen und Bangen über mehrere Kilometer auf unser mittlerweile gepachtetes Grundstück. Der Bauwagen hatte während seines Dornröschenschlafes doch mehr gelitten als ursprünglich wahrgenommen. Undichtes Dach, vermoderter Fußboden und desolate Eingangtüre und die Fenster bedurften einer kompletten Erneuerung. Also genug Arbeit für die neu gegründete Bauwagenmannschaft, mit dem Ziel, bis Ende 1989 den Wagen wieder auf Vordermann zu bringen. An vielen Wochenenden wurde gearbeitet, denn sowohl Bauwagen als auch der Platz bedurften eines hohen Einsatzes an Arbeitskraft. Als wir auch noch 2 Toilettenhäuschen anschafften, war unser Pfadinderzeltplatz fast schon perfekt. Endlich war unser Platz „voll erschlossen“. Dank der großzügigen Spenden unserer Fürther Älterenschaft, dem Arbeitseinsatz des Stammes und der Federführung des Freundes- und Förderkreises konnte der Platz mittlerweile nach einigen Jahren gekauft werden. Und jetzt sind schon 25 Jahre ins Land gegangen. Anlaß genug zurückzuschauen. Der „Pfadfinderzeilplatz Affalterthal“ des Freundes- und Förderkreises Christl. Pfadfinder- u. Pfadfinderinnen, wie er offiziell heißt, ist fester Bestandteil in der Arbeit des Stammes Franken geworden. Unzählige Sippen- und Stammesfahrten wurden durchgeführt. Pfadfinder aus allen Ringverbänden, Wandervögel, Freischar und bündische Jugend haben ihn erlebt und hoffentlich auch genossen.

Es wurde noch ein ca. 1500 m2 großes Grundstück dazugekauft, um Wegerechte und Zufahrt endgültig in unserem Sinne zu klären. Das Ziel dieses Pfadfinderplatzes, ein Rückzugsgebiet für den Stamm zu sein, ist aufgegangen. Ohne große Formalitäten können hier Kinder und Jugendliche das „Pfadfinden“ erleben und praktizieren.

Und aus dem Sippling der 60er Jahre ist mittlerweile ein über 60-jähriger Oldie geworden, aber immer noch Pfadfinder und verbunden mit den Idealen der Christlichen Pfadfinderschaft.

Es macht Spaß, unsere Wölflinge und Pfadfinder in Affalterthal zu erleben, die Mädchen und Jungen des mittlerweile 86 Jahre alten Stammes Franken der Christlichen Pfadfinder Fürth. Unser Anliegen ist es, in einer sich verändernden Welt, die Hilfen und Voraussetzungen zu schaffen, dass sich unsere Pfadfinder hier wohlfühlen, entfalten und verwirklichen können.

Gerhard Stieber im Sommer 2014

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